Heizkosten senken - So heizen Sie richtig!

Wer in einem modernen, gedämmten Haus lebt, hat nicht zwangsläufig geringere Heizkosten, als in einem älteren Haus. Zum Beispiel dann, wenn man sein Heizverhalten nicht den veränderten Gegebenheiten anpasst. Wir zeigen, wie Sie es richtig machen und Geld sparen
Temperaturverteilung nach Gebäudeklassen. Je neuer das Gebäude, desto weiter verschiebt sich die Kurve nach rechts. Diese Gebäude sind also wärmer.

Text: Christopher Intsiful, Nicky Oliver Giebenhain

Eine Google-Suche zu dem Begriffspaar „Heizkosten senken“ erzeugt 170.000 Ergebnisse. Die meisten davon sind sich inhaltlich ziemlich ähnlich: Wände, Fenster und Rollladenkästen sollten gut gedämmt werden, das Lüften sollte im Idealfall stoßweise erfolgen und eine Absenkung der Raumtemperatur um 1 °C spart rund 6 % der Heizenergiekosten.

Theoretisch sind diese Vorschläge richtig. Aber um damit in der Praxis erfolgreich zu sein, lohnt sich ein Blick auf die Details: Eine wissenschaftliche Brunata-Metrona-Studie auf Basis zufällig und anonym gewonnener, einzelner Temperaturmessungen zeigt beispielsweise, dass in den meisten Wohnungen die durchschnittliche Temperatur während der Heizperiode bei lediglich 19 °C oder sogar darunter liegt. Eine weitere Absenkung wäre demnach in vielen Fällen nicht wirklich praktikabel oder gar kontraproduktiv.

Was die Auswertung auch zeigt, ist, dass die Raumtemperaturen in besser isolierten – also moderneren – Gebäuden systematisch höher liegen als in solchen mit schlechterer Dämmung (siehe Abb. 1). Dafür sind im Wesentlichen zwei Faktoren ausschlaggebend: Der erste Faktor ist technischer Natur und betrifft die Wärmeverteilung. In moderneren Gebäuden fallen die Wärmeflüsse innen zwischen den Räumen stärker ins Gewicht, weil insgesamt weniger Wärme nach außen entweicht. Dadurch gleichen sich die Temperaturen aller Räume und auch der Wände, Decken und des Mobiliars stärker an, und zwar nach oben. Kaum oder gar nicht beheizte Räume nehmen insgesamt ein höheres Temperaturniveau an, weil die Wärmeverluste über die Gebäudehülle reduziert sind. Die Wärmeflüsse aus den beheizten in die unbeheizten Räume dagegen bestehen unverändert weiter oder können durch jetzt offen stehende Türen sogar zunehmen. Innerhalb der Gebäudehülle ist also in der Regel deutlich mehr Energie gespeichert als in einem älteren Gebäude.

Was für die Nutzung an sich angenehm sein mag, hat aber in Bezug auf bewusstes Heizen den Nachteil, dass der Bewohner keine unmittelbare Rückwirkung mehr verspürt, wenn irgendwo Wärme entweicht. Unangenehme „Kälteereignisse“ oder „kalter Durchzug“ kommen wesentlich seltener oder gar nicht mehr vor.

Daher ist gegenüber alten Gebäuden sogar mehr Aufmerksamkeit gefordert, also ein Verhalten, das möglichst die Trägheit der Temperaturveränderungen vorausschauend berücksichtigt. Ähnlich wie beim Autofahren, wo moderates Beschleunigen und Bremsen den Spritverbrauch optimieren, empfiehlt es sich, Heizungen bei kürzeren Abwesenheiten nicht abzustellen, sondern nur leicht zurückzudrehen, um einem deutlichen Auskühlen der Wohnung vorzubeugen. Denn das Wiederaufheizen bringt unter Umständen Energieverluste im Bereich der Heizanlage und der Heizungsverrohrung mit sich, die niemandem unmittelbar zugutekommen.

Relativer saisonaler Heizenergieverbrauch: ca. 56 % der Heizenergie wird von Dezember bis Februar verbraucht.

Als weiterer Faktor gilt die Tatsache, dass eine bessere Dämmung nicht nur zu einer Änderung des energetischen Verhaltens der Wohnung, sondern darüber hinaus in vielen Fällen auch zu einer Verhaltensänderung des Nutzers führt. Denn im Bewusstsein der verbesserten Umwelteigenschaften seiner Wohnung, „gönnt“ sich dieser eine höhere Raumtemperatur, weil prinzipiell ein niedrigerer Energieverbrauch erwartet wird. Dieses Phänomen ist auch als sogenannter „Rebound-Effekt“ bekannt. Um im Eigenheim also optimale Einsparungseffekte zu erzielen, wären die Bewohner eigentlich dazu angehalten, mit erhöhter Aufmerksamkeit nicht über die ursprünglichen Raumtemperaturen hinauszugehen.

Wer seine Heizkosten senken möchte, sollte die technischen Gegebenheiten seiner Wohnung kennen und sein Verhalten möglichst konsequent daran anpassen. Das erfordert zwar Disziplin, muss aber nicht zu einem Full-Time-Job ausarten. Ein Blick auf den durchschnittlichen Heizenergieverbrauch im Jahresverlauf zeigt nämlich, dass mehr als die Hälfte der jährlich verbrauchten Heizenergie in den Monaten Dezember bis Februar anfällt und ganze zwei Drittel zwischen Dezember und März (siehe Abb. 2). Eine Fokussierung auf diese Monate sichert einem umweltbewussten Wohnungsnutzer also schon den Löwenanteil möglicher Energieeinsparung.