Weniger Technik, mehr Wirkung? –

Wie intelligente Gebäude unser Wohnen im Alter verändern können

Experten-Insights von Prof. Dr. Tobias Teich, Westsächsische Hochschule Zwickau / Gesellschaft für intelligente Infrastruktur mbH

Technik, die nicht nach Technik aussieht

Digitalisierung ist längst im Alltag angekommen. Doch im Wohnbereich älterer Menschen zählt nicht Innovation um der Innovation willen, sondern echte Unterstützung im Alltag.

„Technik im Gebäude muss sich zurücknehmen. Die Zukunft liegt in Systemen, die robust im Hintergrund funktionieren, ohne den Bewohner zu überfordern. Wenn Sie mit Ihrer Wohnung sprechen können, ohne zu merken, dass eine KI dahintersteckt – dann sind wir auf dem richtigen Weg."
– Prof. Dr. Tobias Teich

Vieles, was früher visionär klang, ist heute praxistauglich: Automatische Heizungssteuerung, Warnsysteme bei ungewöhnlichem Verhalten, sprachbasierte Assistenten. Entscheidend ist nicht, wie neu die Technik ist, sondern wie unauffällig und wirksam sie in den Alltag integriert ist.

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Wohnungswirtschaft unter Strom – Wie Energiesparen zum Pflegekatalysator wird

Pflegeunterstützende Technik bringt oft hohe Kosten mit sich, die sich kaum direkt refinanzieren lassen. Anders sieht es aus, wenn Technologie dabei hilft, Energie zu sparen.

Prof. Dr. Tobias Teich

„Technik für Pflege ist schwer zu finanzieren. Aber Technik, die Energie spart, rechnet sich – und schafft genau den Spielraum, um später auch pflegerelevante Assistenzsysteme einzubauen."

Prof. Dr. Tobias Teich

Das dahinterstehende System nutzt eine intelligente, KI-gestützte Steuerung der Heiztechnik und greift dabei auf bereits vorhandene Geräte zurück. In der Praxis zeigte sich das besonders deutlich:

  • Bis zu 20% weniger Primärenergieverbrauch durch smarte, automatisierte Heizungssteuerung
  • Demokratisierung der Heizkosten: Wer weniger heizt, zahlt auch weniger – die Kosten werden verursachergerecht verteilt
  • Amortisation in unter 10 Jahren – ganz ohne Fördergelder möglich

Im Rahmen von Pilotprojekten mit über 100 Wohneinheiten wurden nicht nur die Heizkosten deutlich gesenkt, sondern auch die technologische Basis für den nächsten Schritt geschaffen:

Sensorbasierte Lösungen für Gesundheit und Sicherheit im Wohnalltag werden so erst möglich.

Pflegekraft nimmt älterer Person die Armbanduhr ab

Was muss Technik im Alter eigentlich leisten – und was ist das Minimum?

Technik für ältere Menschen muss keine teure Spielerei sein. Was zählt, ist einfache, zuverlässige Funktion auf Basis vorhandener Infrastruktur.

Hier einige Funktionen, die bereits heute praxistauglich sind:

Must-haves:

  • Temperatur- und Bewegungsanalyse über vorhandene Heizkostenverteiler
  • Automatisierte Aufheizlogik über KI (z.B. nach Urlaub oder Tagesrhythmus)
  • Warnsignale bei ungewöhnlichem Verhalten (z.B. keine Aktivität in Küche oder Bad)

Optionaler Mehrwert:

  • Smartwatch-Datenanbindung (z.B. EKG, Puls, Bewegung)
  • Telemedizin-Anbindung bei medizinischen Auffälligkeiten
  • Sprachassistenzsysteme mit dokumentierter Kommunikation (z.B. für Pflegekräfte).

„Wir brauchen keine Hightech-Spielwiese, sondern Systeme, die sich auf vorhandene Sensorik stützen – und durch künstliche Intelligenz lernen, wie eine Wohnung wirklich ‚tickt'."

Prof. Dr. Tobias Teich

Was kostet das – und für wen ist das bezahlbar?

Smarte Wohnungen sind bezahlbarer, als viele denken. Vor allem, wenn auf bestehende Infrastruktur zurückgegriffen wird. In vielen bereits umgesetzten Projekten wurde mit einer Kombination aus Heizkostenverteilern, Stellmotoren und günstigen Recheneinheiten gearbeitet. Das Ergebnis: komplette Assistenzpakete für unter 1.000 €.

Rechenbeispiel – smarte Basisausstattung pro Wohneinheit:

KomponenteKosten (geschätzt)
Mini-Recheneinheit (z.B. Raspberry Pi)300–400 €
Anbindung an Heizkostenverteilerbereits vorhanden
Stellmotoren für Heizkörperca. 150 €
Software, KI-Lizenz, Einrichtungca. 300–400 €
Gesamt<1.000 €

Dabei gilt: Je größer das Objekt, desto günstiger wird die Lösung durch Skaleneffekte. Die Energieeinsparungen pro Jahr können je nach Gebäudegröße und Nutzerverhalten bis zu 15–25% der Heizkosten betragen – also jährlich 300–600 € Ersparnis pro Wohnung.

Fazit: Wer klug plant und vorhandene Technik nutzt, kann mit geringem Mitteleinsatz echte Wirkung erzielen – ökologisch, ökonomisch und sozial.

KI im Alltag: Was zählt wirklich?

Künstliche Intelligenz ist längst Teil moderner Wohngebäude – ob bei der automatischen Heizungssteuerung, der Erkennung von ungewöhnlichem Verhalten oder sogar bei der Auswertung medizinischer Daten. Das Ziel bleibt immer gleich: Mehr Sicherheit, mehr Teilhabe, weniger Aufwand, ohne die Bewohner zu bevormunden. Wichtig ist, dass Systeme lernfähig und transparent bleiben. Wenn Hilfe nur dann kommt, wenn sie wirklich gebraucht wird, wird Technologie zum echten Alltagsbegleiter – und nicht zur Last.

Sensoren, Roboter, Sprachassistenten – Wie smart darf Pflege sein?

Technik allein ersetzt keine Pflegekraft. Aber sie kann entlasten, begleiten und Sicherheit geben – besonders dort, wo menschliche Präsenz nicht rund um die Uhr möglich ist.

„Viele ältere Menschen sprechen lieber mit einem Roboter als mit einem Menschen weil sie sich nicht bewertet fühlen. Das ist keine Science-Fiction. Das ist gelebter Alltag in unseren Projekten."
– Prof. Dr. Tobias Teich

Im Alltag heißt das:

  • Sensoren erkennen Aktivität und Auffälligkeiten, z.B. ob Schubladen, Türen oder Wasserhähne benutzt werden
  • Sprachassistenten übernehmen einfache Kommunikation – z.B. Erinnerungen an Medikamente oder Aufforderungen zum Lüften
  • Pflege-Roboter mit Mimik und einfacher Spracherkennung können Gefühle von Einsamkeit lindern

Wichtig: Die Systeme funktionieren am besten, wenn sie niedrigschwellig sind – also ohne App, Passwort oder Menüführung. Idealerweise reagiert die Wohnung einfach auf Verhalten – leise, aber verlässlich. Und genau das funktioniert. Wenn Technik im Alltag unsichtbar wird, aber wirksam bleibt.

Roboter hält älterer Person die Hände

Quartier, Netz und Speicher – Wie vernetzt muss ein Gebäude sein?

Digitale Assistenzsysteme funktionieren nicht im Alleingang. Sie entfalten ihr Potenzial erst im Zusammenspiel mit Gebäude, Netz und Quartier. Ein Projekt in Jena zeigt, wie stark der Effekt sein kann: Über 40% Energieeinsparung wurden dort durch smarte Aufheizlogik, Sensorik, Dämmung und KI-basierte Steuerung erzielt. Doch solche Lösungen stoßen schnell an Grenzen, wenn das Umfeld nicht mitzieht.

Viele Wohngebäude hängen noch immer an veralteten Niederspannungstrafos. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher, E-Autos – all das erzeugt Lastspitzen, die ohne intelligente Steuerung zum Risiko für das Netz werden. Was es braucht, ist ein vernetztes Zusammenspiel aller  Beteiligten – von der Wohnungswirtschaft über Energieversorger bis zu Pflegediensten.

HerausforderungLösungsansatz
Analoge Netzinfrastruktur (z.B. alte Trafos)Digitalisierung und Monitoring auf Quartiersebene
Stromspitzen durch gleichzeitige NutzungAutomatische Lastverschiebung per KI
PV, Speicher, Wärmepumpen und E-Mobilität überlasten das SystemEchtzeitdaten & smarte Steuerung im Gebäude und Netz
Fehlende Abstimmung zwischen AkteurenKooperation von Wohnungswirtschaft, Pflege und Energieversorgung

„Die Wohnungswirtschaft kann die Energiewirtschaft nicht ignorieren – und umgekehrt. Die Herausforderungen lassen sich nur branchenübergreifend lösen."

Prof. Dr. Tobias Teich

Ausblick: Was jetzt passieren muss – und was möglich ist

Warum wir heute handeln müssen, damit Wohnen im Alter morgen noch funktioniert.

Technik allein wird die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht lösen aber sie kann ein entscheidender Teil der Lösung sein. Schon heute ließen sich smarte Assistenzsysteme für unter 1.000 € pro Wohnung realisieren. Sie sparen Energie, entlasten Pflegekräfte und erhöhen die Sicherheit im Alltag. KI kann Heizverhalten optimieren, Auffälligkeiten erkennen und sogar medizinische Diagnosen unterstützen. Was fehlt, ist nicht die Technologie – sondern der Wille zur Umsetzung.

„Technik darf nicht als Belastung empfunden werden – sondern muss unauffällig helfen. Wenn wir jetzt klug investieren, ist smarte Teilhabe
in zehn Jahren Standard."
– Prof. Dr. Tobias Teich

Wenn Politik, Wohnungswirtschaft, Energieversorger und Pflegedienste gemeinsam denken und handeln, kann Wohnen im Alter in Zukunft nicht nur sicherer, sondern auch bezahlbarer und menschlicher werden. Die Grundlagen sind vorhanden jetzt braucht es nur noch den Mut, sie zu nutzen.