Pflege neu denken:
Warum Wohnen im Alter mehr ist als ein Pflegeheim
Wohnen im Alter. Wie wollen wir morgen leben? Mit Experten Insight von Pierre Söllner – Johanniter Zwickau
Deutschland altert und mit jedem Jahr wächst die gesellschaftliche Bedeutung von Fragen rund ums Wohnen im Alter. Doch was brauchen Menschen wirklich, um im fortgeschrittenen Lebensabschnitt sicher und selbstbestimmt leben zu können? Schon heute ist klar: Die wenigsten fürchten sich am meisten vor Pflegebedürftigkeit. Es ist vor allem die Angst, die Kontrolle und die Sicherheit in den eigenen vier Wänden zu verlieren.
„Die größte Sorge ist oft nicht der Pflegebedarf, sondern die Angst, nicht mehr sicher und selbstbestimmt leben zu können."
Pierre Söllner – Regionalvorstand Johanniter Zwickau
Dabei ist die Nachfrage nach Lösungen für ein gutes Leben im Alter so hoch wie nie. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2035 um fast 40% auf über 6 Millionen Menschen erhöhen. Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Pflege, sondern vor allem für die gesamte Wohnungswirtschaft und unsere Gesellschaft.

Demografischer Wandel: Warum herkömmliche Lösungen nicht mehr reichen
Wer heute alt wird, lebt anders als die Generationen vor ihm. Die „Babyboomer" werden älter, die durchschnittliche Lebenserwartung steigt, familiäre Strukturen verändern sich – und das alles bei schrumpfender Zahl pflegender Angehöriger.
Schon heute sind 24% der Deutschen älter als 65 Jahre. Bis 2035 wird jeder Dritte über 60 sein.
Aber! Das System der vollstationären Pflegeheime ist längst an seinen Grenzen. Es fehlen schon heute Plätze, Personal und vor allem akzeptierte, wohnortnahe Alternativen.
Die klassischen Pflegeheime können das steigende Volumen an Betroffenen weder räumlich noch finanziell auffangen. Gleichzeitig wünschen sich ältere Menschen – wie Umfragen belegen – ein Maximum an Eigenständigkeit, Individualität und sozialer Teilhabe.
Welche Wohnformen braucht die alternde Gesellschaft wirklich?
Pflegeheim, betreutes Wohnen oder doch die innovative Quartierslösung? Die Bandbreite der Angebote wächst. Und doch fühlen sich viele ältere Menschen nicht ausreichend angesprochen.
- Pflegeheim: Für viele ein letzter Schritt, häufig verbunden mit Ängsten vor Isolation und Kontrollverlust.
- Betreutes Wohnen: Bietet mehr Freiraum, ist aber meist teuer und nicht flächendeckend verfügbar.
- Quartierslösungen: Setzen auf Vernetzung im Stadtteil, Service vor Ort und eine Mischung aus Wohnen, Pflege, sozialer Teilhabe und Technik.

„Die Menschen wollen Sicherheit und Unterstützung, aber vor allem wollen sie weiterhin Teil einer Gemeinschaft sein. Sie wollen wohnen, nicht verwahrt werden."
Pierre Söllner
Regionalvorstand Johanniter Zwickau
Auch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Drei von vier Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in ihrer eigenen Wohnung oder zumindest
im vertrauten Umfeld zu leben. Nur etwa 4% der Pflegebedürftigen wohnen in einem Heim.
Die Lösung liegt also dazwischen: Flexibilität, Service und Innovation sind gefragt.
Digitalisierung & Technik: Wie viel Selbstständigkeit ist möglich?
Was glauben Sie? Kann ein smarter Sensor wirklich dafür sorgen, dass ältere Menschen länger selbstbestimmt zu Hause leben können? Fakt ist: Die Technik schreitet rasant voran – von einfachen Hausnotrufsystemen über Bewegungs- und Verbrauchssensoren bis hin zu digitalen Assistenzsystemen, die auf Abweichungen im Alltag reagieren und im Notfall Angehörige oder Pflegekräfte informieren. Schon heute nutzen rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland einen Hausnotruf. Doch leider: Technik ist kein Allheilmittel.
Telemedizin und KI-gestützte Pflege eröffnen neue Möglichkeiten, Gesundheitsdaten automatisch zu übermitteln und Auffälligkeiten im Alltag frühzeitig zu erkennen. Entscheidend bleibt jedoch die Frage nach Akzeptanz, Datenschutz und einer alltagsnahen Integration ohne Überforderung oder das Gefühl von Überwachung. Technik kann nur dann echten Nutzen bringen, wenn sie sinnvoll mit persönlicher Betreuung und menschlicher Nähe kombiniert wird.

Quartiere als Erfolgsmodell: Warum ist Zusammenarbeit der Schlüssel?
Quartierslösungen vernetzen Wohnen, Pflege und soziale Angebote vor Ort. Das macht sie zukunftsfähig. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die Kooperation aller Beteiligten. Von Wohnungsunternehmen über soziale Träger bis zu Pflegediensten.
„Quartierslösungen funktionieren nur, wenn alle Akteure an einen Tisch kommen."
Pierre Söllner – Regionalvorstand Johanniter Zwickau
Gemeinsam lassen sich Ressourcen besser nutzen, Fachkräftemangel abfedern und die Lebensqualität steigern. So entstehen Alternativen zum klassischen Pflegeheim, die Akzeptanz und Teilhabe fördern.
Hybride Pflegekonzepte: Wie flexibel und praxisnah kann Pflege heute sein?
Die Pflege der Zukunft ist hybrid. Ein mutiges Statement, in dessen Kern auch Pierre Söllner viel Potential sieht. Aber was bedeutet das konkret? In der Praxis heißt das: Ambulante Dienste, Nachbarschaftshilfe und digitale Tools greifen nahtlos ineinander. Dadurch entstehen flexible, alltagsnahe Lösungen, die sich individuell auf die Bedürfnisse der Menschen einstellen – besonders in ländlichen Regionen.
Beispiele aus der Praxis:
- Wohnanlagen mit Betreuung, Tagespflege und Servicepunkten
- Digitale Plattformen für Angehörige und Nachbarn
- Quartiere, in denen Technik und persönliche Betreuung kombiniert werden
Doch nur mit Technik allein geht es nicht. Sie muss den Alltag erleichtern, Sicherheit schaffen und immer den Menschen ins Zentrum stellen.
Welche Rolle spielen Wohnungswirtschaft und technische Partner?
Wohnungsunternehmen und Technikdienstleister wie Brunata sind gefordert, innovative Infrastruktur zu bieten: Von smarten Messsystemen
bis zu digitalen Plattformen, die Sicherheit und Komfort erhöhen – bei voller Achtung des Datenschutzes.
Praktisch heißt das: Verbrauchsdaten und Sensorik können Warnsignale erkennen, Service erleichtern und Lebensqualität im Alter steigern. Wichtig bleibt immer die explizite Zustimmung der Betroffenen.
Was jetzt passieren muss: Politik und Gesellschaft gemeinsam gefordert
Damit mehr Menschen sicher zu Hause alt werden können, braucht es jetzt klare politische Rahmenbedingungen, mehr Förderung für quartiersnahe und digitale Lösungen sowie die Bereitschaft aller Beteiligten zur Zusammenarbeit. Die Zukunft liegt in flexiblen, vernetzten Modellen, die Technik, Pflege und Nachbarschaft sinnvoll verbinden – zum Wohl der Menschen.

Fazit: Pflege und Wohnen im Alter – Zeit für neue Wege
Wohnen im Alter braucht heute mehr als klassische Pflegeheime und Standards. Der Schlüssel liegt in flexiblen, vernetzten Lösungen, die Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe bis ins hohe Alter ermöglichen. Technik und Quartierskonzepte sind wichtige Bausteine – aber nur im Zusammenspiel mit persönlicher Betreuung und einer aktiven Kooperation aller Beteiligten entstehen echte Alternativen.
Die Wohnungswirtschaft und Dienstleister wie Brunata können mit smarter Infrastruktur und digitalen Services unterstützen, damit ältere Menschen länger zuhause leben können. Politik und Gesellschaft sind gefordert, mutig zu fördern und Innovation zuzulassen.
„Die Menschen wollen wohnen, nicht verwahrt werden. Sie wollen Teil der Gemeinschaft bleiben – dafür müssen wir gemeinsam neue Lösungen schaffen."
Pierre Söllner
Regionalvorstand Johanniter Zwickau